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Neuigkeiten

Einblicke in unsere BC-Workshops: Wir sind die Töchter, der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet! Ein Fallbeispiel aus Argentinien.

12. November 2021

Candela Villalonga, unsere argentinische Trainerin für das Projekt „Bridging Cultures“, sprach während ihrer Workshops an verschiedenen Berliner Gymnasien über das Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDGs): Gleichstellung der Geschlechter" (SDG 5). In diesem Artikel verbindet sie dieses Thema mit der Legalisierung von Abtreibungen in Argentinien.

von Candela Villalonga

Argentinien ist ein Land der Gegensätze: Frauenquote versus Macho-Kultur, dem Adrenalin eines Fußballspiels steht die Melancholie eines Tangotanzes gegenüber und die Anzahl an unterernährten Kindern steht in extrem Gegensatz zu der Anzahl an Rindern (im Land gibt es mehr Rinder als Einwohner). Ohne Probleme kann die Gesellschaft Argentiniens als sehr lebhaft, dynamisch und gegensätzlich bezeichnet werden. 

So wie im Rest Latein Amerikas, gibt es auch in Argentinien zahlreiche ungelöste Probleme. So gibt es neben dem großen Problem der strukturellen Armut und Ungleichheit auch hunderte von Hektar zerstörter Natur durch Investoren. 
Aber anstatt diese Probleme hervorzuheben, möchte ich, als Argentinierin, heute über ein Thema schreiben welches uns Grund zur Hoffnung geben soll. 
Denn geht es um das Thema der Menschenrechte, so muss gesagt werden, dass wir Argentinier*innen eigentlich sehr fortschrittlich sind. Wir sind eines der wenigen Länder, das sich aktiv mit der eigenen Vergangenheit, inklusive den Menschenrechtsverletzungen und dem Völkermord während der Diktatur der 1970er Jahre auseinander gesetzt hat.


Außerdem war Argentinien das zweite Land in Latein Amerika, welches die Ehe homosexueller Paare legalisiert hat und den Paaren gleichzeitig ein Recht auf Adoption gab. Argentinien war schon immer ein Land, an dem sich die anderen Länder Latein Amerikas orientiert haben.

Wir Argentinier*innen streben immer danach die Rechte von Minderheiten zu verbessern. Dies geschah zum Beispiel im Jahr 2012 mit dem "Gender Identity Law". 
Nachdem Frauen jahrelang, auch durch Druck der katholischen Kirche, gezwungen wurden, zum Thema Abtreibungen zu schweigen (ein Femizid geschah alle 35 Stunden), gründete eine Gruppe von Frauen eine Kampagne mit dem Namen „Nationale Kampagne für das Recht auf legale, sichere und freie Abtreibung“ (Campaña Nacional por el Derecho al aborto legal, seguro y gratuito).

Nach einer sehr engen Wahl und stundenlanger, emotionaler Diskussion wurde das Gesetz 27.610 im Dezember 2020 verabschiedet. Das bahnbrechende Resultat veränderte alles. Seit diesem Tag, ist es jeder Frau gestattet, während der ersten drei Monate selbst zu entscheiden, ob sie eine Abtreibung möchte. Im Falle einer Abtreibung hat zudem jede Frau das Recht, diese in einem öffentlichen Krankenhaus von ausgebildetem, medizinischem Fachpersonal durchführen zu lassen.  

Diese grüne Welle2 ist momentan in vielen Ländern Latein Amerikas aktiv, mit dem Ziel eine fairere und emphatischere Welt zu schaffen. Eine Welt, in der jeder Mensch aufwachsen kann, wie er möchte, ohne Angst unterdrückt zu werden oder die eigenen Gefühle zurückhalten zu müssen. Eine Welt, in der es egal ist, welcher Ethnie oder Nationalität man angehört, welcher Religion oder welchem Glauben man folgt, mit welchem Geschlecht man sich identifiziert, ob man alt oder jung, krank oder gesund ist. Für uns Argentinier*innen steht fest, dass mehr Rechte eine bessere Welt bedeuten.  



1
  Als "Hexe" zu gelten, als eine extreme, gefährliche Andere, die das bedroht, was als normal, traditionell und sicher gilt, war für viele Frauen im 16. und 17. Jahrhundert ein Todesurteil. Heute werden viele Frauen, die nicht in die Kategorien passen, in die die Gesellschaft sie stecken will, zu Hexen gemacht, die es verdienen, entlarvt, vergewaltigt und in einigen extremen Formen vernichtet zu werden. (Source: https://www.news24.com/news24/columnists/guestcolumn/granddaughters-of-the-witches-you-werent-able-to-burn-20181121)

2 Regionale feministische Bewegung, die mit der Förderung der Legalisierung der Abtreibung begann und sich nun auf andere Themen ausweitet.



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