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Living with the tiger

24. Februar 2021
Kohleabbau in Kolumbien: Angeklagt wegen Verletzung sozialer und ökologischer Rechte, gesponsert von multinationalen Unternehmen


by Zuadi Pinto

In den vergangenen Jahren ist die Entwicklung von neuen Energien als Ersatz zur Kohle schnell vorangeschritten. Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage nach der Kohle immer noch sehr hoch. Infolgedessen gibt es in Länder, in welchen diese abgebaut wird, große soziale Unruhen und mitunter schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt- und die Menschenrechte.

Dies geschieht zum Beispiel in Kolumbien, wo es das größte Kohlebergwerk Lateinamerikas gibt. Das Bergwerk Cerrejon ist im Besitz dreier Firmen: Anglo American aus England, Glencore aus der Schweiz und BHP aus Australien.

Die riesige Mine wurde vor mehr als 30 Jahren in La Gujira, einer der ärmsten Departamentos des Landes, in der Unterernährung und Wassermangel seit Jahren große Probleme darstellen, eröffnet. Darüber hinaus sind in La Gujira viele Minderheiten, wie zum Beispiel die Campesinos oder die indigenen Wayuu zuhause. Obwohl die Regierung in den vergangenen Jahren versucht hat die vorherrschenden sozialen Probleme in den Griff zu bekommen, wird sie häufig dafür kritisiert die Region im Stich zu lassen. Es wurden immer wieder, seit der Eröffnung der Mine, Umwelt- und Menschenrechtsverletzung angeprangert.

In der Mine Cerrejon werden jährlich über 25 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. Jeweils neun Ladungen Kohle werden täglich vom “Kohlekai” weiter in die gesamte Welt transportiert. Die größten Abnehmer sind hierbei die Länder rund um das Mittelmeer und Europa. Bis 2020 war die Mine Cerrejon für 45% des Bruttoinlandsproduktes in der Region verantwortlich. Doch die Kritik durch die lokale Bevölkerung über bestehende Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen besteht weiterhin.

Das größte Umweltproblem, welches durch die Mine entsteht ist die Wasserverschmutzung. Auch eine Verschärfung der Wasserknappheit ist eine Folge der Minenarbeiten. Hauptwasserquelle in der Region ist der Rancheria Fluss, dieser wird durch den Zufluss vom Bruno mit Wasser gespeist. Da dieser jedoch momentan durch Cerrejon umgeleitet wird, trocken anderer Flüsse aus.
Umweltschäden zeigen sich aber nicht nur in der Verschmutzung des Wassers, sondern auch durch den Staub der durch den Abbau der Kohle entsteht und extrem schädlich für die Menschen in der Region ist. Vor allem die Verschmutzung der Felder, die oft Hauptnahrungsquelle der Familien sind und für das tägliche Einkommen sorgen, sind ein großes Problem. Es hat zunehmend den Anschein, dass besonders in den vergangenen Jahren die Menschen sich daran gewöhnen mussten ihre Ländereien und Ressourcen mit der Mine zu teilen. So kommt es, dass das Bergwerk oftmals als Räuber bezeichnet wird, genauer gesagt als “Tiger”.

Aufgrund seiner Verantwortung für die Vertreibung der Campesions und anderer indigener Gruppen wurde Cerrejon bereits in der Vergangenheit von der Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD) ermahnt. Auch wurden Fälle von gewaltbereiten dritten Parteien gemeldet. In einem Interview mit dem Radiosender Contagio erklärt Jose Silva, Sprecher der Nation Wayuu, dass sechs Mitglieder seines Stammes Todesdrohungen erhalten haben nachdem sie ihre Territorien vor der Ausbeutung durch die Mine beschützen wollten. Vor Jahren sagten die Eigentümer des Bergwerks Cerrejon das es ein Übereinkommen zwischen ihnen und den Wayuu gibt, doch dieses existiert nicht und wurde niemals von den Wayuu bestätigt.

Und obwohl die Website der Mine den Eindruck vermittelt, dass man sich sehr wohl der sozialen und umweltschädlichen Probleme bewusst ist, zeigen zahlreiche Dokumentationen und Untersuchungen eine andere Realität. In der Dokumentation „Las Hellas de Cerrejon“ von Sebastian Coronado Espitia kommen diverse Vertreter der einheimischen Stämme, unter anderem der Campesinos und Wayuu zu Wort, die vom Leben vor der Eröffnung der Mine berichten.

Bereits in der Vergangenheit musste sich Cerrejon immer wieder mit Anklagen von sozialen und ökologischen Organisationen auseinandersetzen. Des Weiteren wurden die Abnehmerländer, laut eines Artikels in der “Green News” aufgefordert den Verbrauch von Kohle zu verringern. Bis jetzt allerdings ohne nennenswerten Erfolg.

Im Januar 2021 geriet der Fall aus Kolumbien nochmals in das Auge der Öffentlichkeit, da die Minenbetreiber sich mit drei neuen Anklagen auseinandersetzen mussten, wobei auch die OECD mit einbezogen wurde. Ziele des Global Legal Action Network sind die langsame Schließung der Mine, die Erneuerung und Verbesserung der Umweltbedingungen und eine finanzielle Entschädigung der Bevölkerung in der Region. Wie bereits in früheren Situationen verwies Cerrejon auch im jetzigen Fall darauf, dass man sich sowohl an bestehendes kolumbianisches Gesetz als auch internationale Regeln halten würde. Dies beinhalte natürlich auch Menschen- und Umweltrechte.

Zweifellos, wurde internationales Interesse geweckt, doch das eigentliche Problem konnte jedoch noch nicht gelöst werden. Doch durch die Diskussion über ein deutsches bzw. Europäisches Lieferkettengesetz bekommt der Fall neuen Auftrieb. Das Lieferkettengesetz soll transparent alle Zulieferer aufzeigen und alle sollen sich dann an europäische Standards halten. Diese würden dann auch das Bergwerk Cerrejon miterfassen.

Bei der Beurteilung des Falles muss jedoch auch bedacht werden, dass ein Ende der Kohleproduktion in Kolumbien einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft des Landes haben wird, da die Kohleproduktion einen nicht unerheblichen Bestandteil des Bruttoinlandproduktes darstellt. Auf der anderen Seite steht außer Frage, dass internationale Standards zum Schutz der Menschen und Umwelt eingehalten werden müssen. Des Weiteren ist es unausweichlich den Menschen in der Region Aufmerksamkeit zu schenken und ihren Wünschen und Bedingungen nach zu kommen, damit sich die Gesellschaft auch in Zukunft entwickeln kann ohne dabei leiden zu müssen.


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